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Klangräume

Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf sollen Raum erhalten, sich mit ihren individuellen Stärken musikalisch zu entwickeln. Abgestimmt auf ihre besonderen Bedürfnisse soll mit Bewegung, Singen, dem Spiel auf verschiedenen, einfachen Instrumenten, sprachlicher Förderung und dem Umgang mit Klängen die Gesamtentwicklung gestärkt werden. Das Konzept wendet sich an Kinder und Jugendliche, die den Unterricht alleine besuchen oder solche, die mit einer Begleitperson teilnehmen, die ebenfalls von den Inhalten profitieren und diese zu Hause vertiefen kann.

Lehrkraft: Susanne Schulz

Unterrichtsort: Daudenzell

Klangräume in der Musikschule Mosbach

Seit 2014 wird in der Zweigstelle der Musikschule Mosbach in Daudenzell ein ganz besonderes Programm für Kinder und Jugendliche mit speziellem Förderbedarf  angeboten – Die Klangräume. In dem speziell eingerichteten Unterrichtsraum mit vielen verschiedenen Instrumenten und Materialien bieten sich zahlreiche Möglichkeiten zur individuellen musikalisch geprägten Förderung jedes einzelnen Schülers.

Jede Stunde wird auf die einzelnen Kinder und ihre individuellen Stärken und Bedürfnisse speziell vorbereitet, um sie mithilfe von Bewegung, Gesang, sprachlicher Förderung, sowie dem Spiel auf verschiedenen, einfachen Instrumenten und dem Umgang mit Klängen in ihrer Gesamtentwicklung zu stärken. Auch Eltern erhalten die Möglichkeit, durch Gespräche oder das Teilnehmen an den Stunden von den Inhalten zu profitieren und diese zu Hause vertiefen zu können.

Seit das Programm „Klangräume“ ins Leben gerufen wurde, hat es schon zahlreich Anklang gefunden und wird von Kindern und Jugendlichen jeden Alters mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen genutzt. Unter anderem besuchen Kinder mit Down-Syndrom, Autismus oder ADHS den Unterricht von Susanne Schulz. Ein besonders interessanter Fall ist ein Mädchen mit Rett-Syndrom, einer seltenen Entwicklungsstörung, die bei Mädchen auftritt. Im Laufe der Schwangerschaft und der ersten Lebensmonate entwickelt das Kind sich vollständig normal, bis nach etwa 6-18 Monaten plötzlich ein Stillstand und nachfolgend rückschrittliches Verhalten auftritt. Kinder die bereits angefangen hatten, zu krabbeln oder zu laufen, verlernen es plötzlich wieder, der normale Gebrauch der Hände geht verloren und teilweise erlernte Sprache wird oft wieder vergessen. Die meisten betroffenen Kinder können also weder laufen noch sprechen und brauchen ständige Betreuung. Häufig geht die Erkrankung mit Epilepsie, Erkrankungen des Skeletts und Kleinwüchsigkeit einher. Aufgrund der Komplexität der Krankheit ist eine Intelligenzmessung bei Betroffenen nicht möglich, was bedeutet, dass niemand wissen kann, was im Inneren von Menschen mit Rett-Syndrom vor sich geht. Wichtig bei der Förderung betroffener Kinder ist es, ihre motorische Entwicklung zu fördern und vorhandene Fähigkeiten zu erhalten und zu stärken. Die Schülerin, die auf dem Bild zu sehen ist, hält hier den schweren Schlägel des Gongs und versucht eigenständig, darauf zu schlagen und einen Ton zu erzeugen. Das Ziel hierbei ist die Stärkung der Hände und vor allem das eigenständige Greifen und Halten von Objekten.

Eine besondere neue Anschaffung der Musikschule ist die Klangliege – ein komplexes, maßgefertigtes Therapieinstrument. Das Kind, das sich auf der Klangliege befindet, erfährt durch das Spielen von Saiten, die auf der Unterseite der Liege angebracht sind, beruhigende Töne und Schwingungen und somit eine  besonders faszinierende Stimulation des ganzen Körpers.

Ein weiteres sehr interessantes Instrument, das im Programm der Klangräume eine große Rolle spielt, ist die Veeh-Harfe. Eigens für dieses Instrument wurde eine einfache und deutliche Notenschrift entwickelt und spezielle Notenschablonen ermöglichen ein Spielen „vom Blatt“.  Das Ziel bei der Entwicklung der Veeh-Harf war es, ein Instrument zu schaffen, das einfach in der Handhabung und ohne vorherige Notenkenntnis spielbar ist. Entwickelt wurde sie von Herrmann Veeh, speziell für seinen Sohn Andreas, der mit Down-Syndrom geboren worden war. Das Instrument ermöglicht Kindern einen ersten, prägenden Zugang zur Musik und findet sehr viel Verwendung im therapeutischen Bereich.

Mit dem umfangreichen Programm und den vielseitigen Möglichkeiten, die sich in den Klangräumen bieten, steht die individuelle Förderung und Stärkung jedes  Schülers im Vordergrund. Erteilt wird der Unterricht von Frau Susanne Schulz, einer musikpädagogischen Fachkraft mit sonderpädagogischem Schwerpunkt.

Kim Sierra
Praktikantin Okt. – Dez. 2018

 

 

Weitere Informationen

Susanne Schulz
Zweigstellenbetreuerin für Aglasterhausen und Schwarzach
Blockflöte, Elementare Musik, SBS, Sonderpädagogik
06262-917846